Geschichten und Anekdoten

«Wer von euch hat die Reifeprüfung nun bestanden?», fragte mich der Direktor scherzhaft, als ich mit meiner 10 Monate alten Tochter im Arm das Abiturzeugnis entgegennahm.

Im Skidress auf dem Motorrad mitten zwischen holländischen Harley-Bikern? Ja, wenn man seine erste Fahrt als Sozia unbedingt im Winter machen will und Leidenschaft die Eitelkeit besiegt.

Unter Niederlagen wegstecken und ans nächste Ziel denken, reihe ich den Tag ein, an dem mir morgens eine Matheprüfung mit der vernichtenden Note 5 und abends die Urkunde für den Gewinn der Tanzschulmeisterschaft überreicht wurde.

Das Jahrhundert-Hochwasser in Engelberg hätte mich wohl ebenfalls ins Elend gestützt, wenn ich deshalb arbeitslos und nicht zur Hoteldirektorin geworden wäre. Zum Glück wird totaler Einsatz manchmal prämiert.

Wie Speedy Gonzales musste ihre Tochter den Eltern vorkommen, wenn ich in den Ferien das Hotelfrühstück hinunterschlang, um möglichst schnell im Stall zu sein und dem Hufschmied helfen zu können.

Das kindliche Wandertrauma legte ich erst im Erwachsenenalter wirklich ab, als ich in den Engelberger Steinmonumenten meine Begeisterung für Nordic Walking ausleben konnte.

Ein Rocker mit Zebrahosen und zotteliger Langhaarfrisur entpuppte sich an den gymnasialen Besinnungstagen als wahrer Freund, so dass ich gerade noch rechtzeitig zur Pubertät lernte, wie blöd Vorurteile sein können.

Meine Abneigung gegen Fragebögen löste sich schlagartig in Luft auf, als ich hoch über der Küste von Triest in dieser Form antworten musste, ob ich den Überbringer des Fragekatalogs heiraten wolle.

Wenn es ums Ganze geht, leiste ich auch ganzen Einsatz. Daher zögerte ich keinen Moment, als es darum ging, mein Pferd «Principe» aus Spanien zu retten um ihm noch ein paar glückliche Monate auf den saftigen Wiesen Bayerns zu ermöglichen.

Als bezaubernde Trauzeugin machte meine Tochter den schönsten Tag des Lebens noch schöner und bewies, dass Organisationstalent vererbbar ist.

Selbst gesund lebende Menschen neigen zu Suchtverhalten. Nur hole ich mir die Adrenalinschübe bei sportlichen Aktivitäten wie Skilaufen, Reiten, Tanzen, Spinning, Aquafit, Nordic Walking, Pilates oder Power Yoga. Egal ob als Trainerin oder Teilnehmerin.

Geh wohin dein Herz dich trägt. Und weil ich Enten, Katzen, Hühner, Mulis, Hunde, Pferde und Esel liebe, bin ich kein Stadtmensch, lebte auf einer Alp und träume von einem Landgut in Italien.

Die Jahre als alleinerziehende Mutter lehrten mich, dass Qualität oft wichtiger ist als Quantität. Denn obwohl ich zu wenig Zeit mit meiner Tochter verbringen konnte, führten unsere gemeinsamen Stunden zu einer engen Verbundenheit als Erwachsene.